Die Sitemap war fehlerfrei. Vollständig, gültig, jede Adresse erreichbar. Und trotzdem stand darin die Auskunft, dass an dieser Website seit fast drei Jahren nichts geschehen ist.

Der Fund

Beim Auswerten der Sitemap einer Bestandsdomain vor dem Umzug fiel die Verteilung der Datumswerte auf: Über neunzig Prozent der Einträge trugen denselben Tag – und beim Nachsehen sogar dieselbe Viertelstunde. Ein Fenster von wenigen Minuten, in dem angeblich fast der gesamte Bestand geändert wurde.

Das ist kein redaktionelles Datum. Das ist ein Massenschreibvorgang: ein Wechsel des SEO-Plugins, eine Migration, ein Skript, das über alle Beiträge gelaufen ist. Danach bewegte sich der Wert bei diesen Adressen nicht mehr.

Zur Erinnerung lastmod

Das Feld nennt den Zeitpunkt der letzten inhaltlichen Änderung einer Seite. Es ist ein Hinweis, keine Anweisung: Suchmaschinen nutzen es, um zu entscheiden, ob ein erneuter Abruf lohnt – und ziehen es nur heran, solange es sich als verlässlich erweist.

Warum das Signal dadurch verschwindet

Der Nutzen des Feldes liegt in der Unterscheidung. Es soll sagen: Diese fünf Seiten sind neu, jene zweihundert nicht. Trägt alles denselben Wert, unterscheidet es nichts mehr und ist als Entscheidungsgrundlage unbrauchbar.

Schlimmer wird es durch den zweiten Teil: Ein Wert, der sich über Jahre nicht bewegt, ist ja nicht falsch. Er beschreibt korrekt eine Website, an der nichts passiert. Man hat sich mit einem einzigen Vorgang die Möglichkeit genommen, das Gegenteil mitzuteilen – und das ausgerechnet in dem Moment, in dem man mit dem Systemwechsel eigentlich signalisieren wollte, dass etwas geschieht.

Der begleitende Befund

Im selben Zeitraum verschlechterte sich die Durchschnittsposition der Domain deutlich. Ein Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang ist das nicht – dafür wirkten zu viele andere Umstände mit, allen voran ein Bestand, der seit Jahren nicht gepflegt wurde. Aber es passt ins Bild, und ein Signal, das man selbst unbrauchbar gemacht hat, verteidigt einen in dieser Lage nicht.

Wie man den Zustand erkennt

Die Prüfung ist einfach: Datumswerte aus der Sitemap ziehen und zählen, wie oft jeder vorkommt. Entfällt auf ein einzelnes Datum ein Anteil im hohen zweistelligen Prozentbereich, ist der Massenvorgang gefunden.

Zwei Dinge sind dabei aussagekräftiger als der Anteil allein: die Uhrzeiten – liegen sie innerhalb weniger Minuten, war es ein Skript und keine Redaktion – und der Abstand zum heutigen Tag, der zeigt, wie lange sich seither nichts bewegt hat.

Was hilft und was nicht

  • Hilft: das echte Datum wiederherstellen. Wenn die Datenbank es noch führt, ist das die saubere Lösung.
  • Hilft: künftig richtig führen. Das Feld nur setzen, wenn sich inhaltlich etwas geändert hat. Dann trägt es wieder eine Aussage.
  • Hilft nicht: alles auf heute setzen. Eine Falschangabe. Wird sie erkannt, verliert das Feld für die ganze Domain an Gewicht.
  • Hilft nicht: das Feld weglassen. Dann fehlt der Hinweis ganz – schlechter als ein richtig geführtes, aber besser als ein falsches.

Die Lehre für den nächsten Systemwechsel

Jeder Vorgang, der einen Zeitstempel über den gesamten Bestand schreibt, zerstört eine Information. Vor der Migration prüfen, ob das Änderungsdatum mitgenommen wird – hinterher ist es weg.

Das betrifft nicht nur lastmod. Dieselbe Frage stellt sich beim Veröffentlichungsdatum, bei Autorenzuordnungen und bei allem, was ein Importwerkzeug „auf den aktuellen Stand bringt". Der Standardwert eines Importwerkzeugs ist selten der, den man haben will.